Sekten

Gliederung:

  1. Die unterschiedlichen Bedeutungen des Begriffs "Sekte"
  2. Merkmale von Sekten
  3. Was ist eine christliche Sekte?
  4. Was unterscheidet sie von Kirchen?
  5. Wie werben Sekten?
  6. Ein typischer Weg in die Sekte
    1. Die Anwerbephase
    2. Das "Love-Bombing"
    3. Das " Snapping
    4. Das Programmieren
  7. Schwierigkeiten des Ausstiegs
  8. Die rechtliche Situation
  9. Multireligiöse Situation
  10. Satanismus
  11. Sektenmitglieder in Deutschland

Die unterschiedlichen Bedeutungen des Begriffs "Sekte"

Das Wort Sekte leitet sich vom lateinischen "secta" (Richtung, Richtlinie) ab und hat die gleiche Bedeutung wie das aus dem griechichen stammende Wort "Häresie": Richtung. Die häufige Ableitung des Wortes Sekte aus dem lateinischen "secare" (=abschneiden, trennen) ist unrichtig, hat aber den Wortsinn mit geprägt. Schon in frühchristlicher Zeit wird Sektentum von der Kirche mit Verirrung und Abfall gleichgesetzt, obwohl das Wort ursprünglich nicht abwertend, sondern neutral gemeint ist. Auch galten die Christen den Juden und den Heiden als jüdische Sekte. Dies wurde verbunden mit einer negativen Wertung.
In der Religionswissenschaft verwendet man den Begriff "Sekte" bis heute neutral: Eine Sekte steht als Minderheit mit abweichender Lehre einer Religion gegenüber , von der sie sich abgetrennt hat. Kaum eine Sekte sieht sich selbst als Sekte an. Nach ihrem Selbstverständnis soll das Eigentliche der Mutterreligion aus dem Verfall wieder gewonnen oder zur Vollendung gebracht werden. Den Sekten geht es wie jeder anderen Religion um das Heil der Menschen, um die Wahrheit und um rechten Sinn des Lebens. Häufig will der Gründer einer Sekte nicht Trennung von der Religion, sondern deren Reform. Erst das Unverständnis der Gläubigen oder der Widerstand der Institution (z.B. der Kirche) macht ihn zum Sektierer.

Die meisten Menschen verwenden den Begriff Sekte jedoch auch für die folgenden Gruppen:

  1. So genannte Jugendsekten:
    Sie versprechen eine "heile Gegenwelt" mitten in unserer - aus ihrer Sicht - verdorbenen Kultur. Ein Lebender Meister, eine allmächtige Hierarchie oder eine selbst ernannte Prophetin fordert absolute Gefolgschaftstreue. Finanzielle Ausbeutung, Konflikte mit Familie und Gesellschaft und seelische Schäden sind nicht selten die Folge. Werbung geschieht über harmlos klingende Organisationen oder Aktivitäten in Wirtschaft, Politik und Gesundheitswesen.
  2. Neuoffenbarungsgruppen:
    Im Mittelpunkt dieser Gruppen stehen Menschen, die von sich behaupten, mit einer "jenseitigen Welt" in direkte Verbindung treten zu können. Diese angeblich medial begabten Menschen vermitteln Kundgaben an ihre Anhänger, die diese Anweisungen in die Tat umsetzen sollen. Es kommt oft zu Konflikten im sozialen Umfeld der Gruppenmitglieder.
  3. Alternative Psychosekten:
    Sie vertritt abseitige Lehren und versteht sich als Vermittler eines psychologischen Heilweges, für den häufig teuer zu bezahlen ist. Sie versucht neue Mitglieder in ihre - zum Teil wahnhaften -Bemühungen einzubeziehen, durch Psychotechniken einen besseren Menschen zu schaffen. Im Umkreis von "Therapeuten" entstehen oft "Klientenkulte", und "Psychoswinger" wandern von einer fragwürdigen Therapie in die nächste.
  4. Klassische Sekten(Christliche Sekten):
    Sie nehmen für sich in Anspruch, allein den wahren Glauben zu haben und ihren Mitgliedern das Heil zu vermitteln. Die großen Kirchen gelten als abgefallen und verloren.
    Man bezahlt für die Gemeinschaft nicht selten mit gesellschaftlicher Isolation und strikter Kontrolle von Moral und Verhalten. Eine distanzierte Haltung gegenüber der Organisation und der jeweiligen Lehre führt in der Regel zum Ausschluß aus der Gemeinschaft. Offene Diskussion und gemeinschaftliche Konsensfindung sind nicht erwünscht.

Merkmale von Sekten

  1. Sekten stellen sich in Relation zu den Großkirchen
  2. Dialogverweigerung
  3. Teilweise außerbiblische Offenbarungsquellen(z. B. Mormonen)
  4. Einseitige innerbiblische Konsequenten (z.B. Zeugen Jehovas: Apokalypse)
  5. Universale Problemlösung
  6. Führungspersönlichkeiten
  7. Autoritätshörigkeit der Mitglieder
  8. Abhängigkeit von der Gruppe
  9. Sekten stellen sich in Relation zu den Großkirchen
  10. Dialogverweigerung
  11. Teilweise außerbiblische Offenbarungsquellen(z. B. Mormonen)
  12. Einseitige innerbiblische Konsequenten (z.B. Zeugen Jehovas: Apokalypse)
  13. Universale Problemlösung
  14. Führungspersönlichkeiten
  15. Autoritätshörigkeit der Mitglieder
  16. Abhängigkeit von der Gruppe

Was ist eine christliche Sekte?

Als christliche Sekte bezeichnen wir eine religiöse Gruppe, die eine gewisse Ähnlichkeit mit der christlichen Religion hat. Sie ist oft eine Abspaltung der Kirche, welche die Bibel entweder anders auslegt oder sich nur auf einen bestimmten Abschnitt bzw. Teil der Bibel vertieft.
Wichtige christliche Sekten sind:

Was unterscheidet sie von Kirchen?

Christliche Sekten unterscheiden sich von Kirchen, weil sie gegen das Apostolisches Glaubensbekenntnis, das Nizänum und das Athanasianum. Dies sind sie, da sie die Behauptung aufstellen, daß sie ein besseres oder vollständigeres Wissen über die Person, den Weg oder die Botschaft von Jesu von Nazareth besitzen. Weiterhin lehnen sie meistens jegliche Zusammenarbeit mit den Kirchen ab.

Wie werben Sekten?

Sekten werben längst nicht mehr durch Hefte und durch Hausbesuche, sondern sie schicken Briefe und sprechen Leute auf offener Straße an. Jugendliche werden auf Partys und in Sportvereinen zu Veranstaltungen und Sprachkursen eingeladen. Auch werden Familienabende und Bibelkurse angeboten und abgehalten. Kurz um sie tauchen dort auf wo mögliche Mitglieder sein könnten.

Ein typischer Weg in die Sekte

Die Anwerbephase

Die erste Begegnung mit einer fragwürdigen weltanschaulichen Gruppe geschieht heute auf vielfältige Weise. Der Kontakt kann durch persönliche Mission an der Haustür, im Studentenwohnheim, am Arbeitsplatz oder in einer der vielen Therapiegruppen, aber auch durch Anzeigen und Werbekampagnen entstehen. Dabei wird oft die Organisation, die dahintersteht, verschwiegen. Ziel ist es, eine persönliche Beziehung aufzubauen. Dabei wird auch bewußt das "Fluidum" zwischen Mann und Frau als Werbemittel eingesetzt.

Das "Love-Bombing"

Kommt der Angesprochene mit ins Zentrum, zu einem Vortrag oder zur Meditation, wird er je nach Einschätzung seiner Persönlichkeit mit Freundlichkeit und Zuwendung überschüttet.
Seine Schwierigkeiten, seine Probleme, seine Krisen stehen plötzlich im Vordergrund und werden bedacht und mitunter auch ansatzweise bewältigt bzw. geschickt verdrängt. Er erlebt sich spontan als Mitglied der Gruppe. Durch ein ihm bisher unbekanntes Gruppenprogramm wird seine Neugierde weiter geschürt. Der gleiche Effekt läßt sich auch erreichen, wenn in der Gruppe bestimmte ? für ihn bisher tabulsierte Themen und Verhaltensweisen angesprochen oder geübt werden (z. B. intime Körperkontakte, Aggressionen oder Depressionen ausleben, "Schwarze Messen" mit "Opferungen" feiern ... )

Das " Snapping

Spätestens zu diesem Zeitpunkt beginnt das Drängen, der Gruppe beizutreten. Vor der zu treffenden Entscheidung werden nicht selten die in jedem Menschen latent vorhandenen Ängste vor Krankheit, Einsamkeit und Katastrophen angefacht. Es kann aber auch heißen: "wir haben viel für dich getan, was bringst du?" oder "Du hast dir hier viel herausgeholt, aber was tust du rein?"
Die schöne Stimmung, die liebenswerten Menschen, die erlebte Geborgenheit oder die Angst vor Verlassenheit geben den Ausschlag zur Bindung an die Gruppe. Es bleibt nur selten eine Bedenkzeit, Zweifel werden zerstreut. Die Falle schnappt zu, oft erstaunlich schnell, verbunden mit Verpflichtungserklärungen oder Initiationsriten wie z. B. "Sannyas nehmen", "einen spirituellen Namen annehmen", "ein Gelöbnis vor der versammelten Gruppe sprechen" oder "das persönliche Mantra empfangen".

Das Programmieren

Nach der positiven Entscheidung des Interessenten werden eine Fülle von neuen, leicht verständlichen Erkenntnissen nachgeschoben, meist in Kombination mit intensiver Arbeit für die neue Gruppe. Oft bleibt nur wenig Zeit zu in Schlafen und Essen. Das neue Mitglied oder der Anhänger steht auf der untersten Stufe in der Hierarchie und ist bereit, alles mitzumachen, denn er will die Stufenleiter der allumfassenden Erkenntnis möglichst bald erklimmen.
Die sozialen Kontakte zu Partnern, Kindern, Freunden oder Verwandten außerhalb der Gemeinschaft verflachen, Studium und Ausbildung werden oft kurzerhand abgebrochen. Der Alltag in der Gruppe und die Beschäftigung mit der Ideologie füllen den Menschen voll aus. So wird die Kluft zwischen der Innenwelt der Gruppe und der Außenwelt immer tiefer.

Schwierigkeiten des Ausstiegs

So leicht, wie einerseits jemand in eine Sekte hineingelangt, so schwer und schmerzlich ist für ihn andererseits der Ausstieg. Nach ersten Enttäuschungen über die Sekte, in der Regel dann, wenn die Anfangsbegeisterung verklungen ist, beginnt eine Phase des Zweifelns, die häufig in den Wunsch zum Ausstieg mündet.
Diese Zweifel werden sowohl durch den Sektenalltag als auch durch Kenntnisse über die Hintergründe der strengen Machthierarchie und die Machenschaften der Sektenführer genährt, welche keinen Widerspruch dulden. Sind diese Zweifel von Dauer, so besteht die Chance, dass das Mitglied die Kluft zwischen dem Anspruch der Sekte auf Darbietung einer"heilen Welt" einerseits und ihrer Wirklichkeit andererseits erkennt. Letztere ist oft durch reines materielles Gewinnstreben oder fanatische Abgrenzung von der Außenwelt gekennzeichnet. Im Sektenmitglied kämpfen dann miteinander die übernommene, fest gefügte Gedankenwelt der Sekte auf der einen und die Zweifel auf der anderen Seite. Je länger ein Mensch einer solchen Gruppe angehört, um so schwieriger wird es für ihn, eine kritische Haltung dazu einzunehmen. Zu sehr ist man dann von den Grundsätzen und Handlungsweisen der eigenen Sekte durchdrungen, zu sehr gegen die Anforderungen der komplizierten Außenwelt unempfänglich geworden.
Erschwert wird der Ausstieg auch dadurch, dass die Selbständigkeit Einzelner in solchen Gruppen durch eine fest gefügte Gehorsamsstruktur unterdrückt wird. Kritische Fragen werden nicht zugelassen oder als Auflehnung gegen die eigene Gruppe dargestellt. Gelingt dennoch ein Ausstieg aus der Sekte, so sind häufig seelsorgerische Betreuung, psychologische Beratung und manchmal sogar die Behandlung durch einen Arzt nötig.

Die rechtliche Situation

Christliche Sekten sind in Deutschland z. T. als eingetragen Vereine ("e.V.") registriert, zusätzlich haben sie selbst oder ihre Fördervereine sich meist vom Finanzamt für Körperschaften die "Gemeinnützigkeit" anerkennen lassen - ein zunächst rein formaler Akt, der Übereinstimmung der Satzungsfomulierungen mit den entsprechenden steuerlichen Bestimmungen festlegt.
Zum Teil wurden christliche Sekten in den einzelnen Bundesländern von den jeweiligen Landesparlamenten oder Landesregierungen die Rechte von Körperschaften und öffentlichen Rechts verliehen (Beispiel: Neuapostolische Kirche in allen Bundesländern; Johannische Kirche in Berlin). Damit werden sie den großen Kirchen rechtlich gleichgestellt.

Multireligiöse Situation

Sekten gibt es nun schon seit 100 Jahren. Seit dieser Zeit kommt es immer wieder zu Konflikten zwischen der Kirche und verschiedenen Sekten. Seit Ende der siebziger Jahre sind zu den alten Sekten neue dazugekommen: die Pseudosekten und die Psychokulte. In mindestens jeder großen Stadt der Erde werben und arbeiten nicht nur Vertreter der klassischen großen Weltreligionen, sondern auch deren Abspaltungen (Sekten ). Alle Sekten sind heute in einer unvergleichlichen Art tätig: sie agieren nicht mehr lokal begrenzt, sondern flächendeckend. Sie ziehen ihre Mitarbeiter bevorzugt aus den Altersgruppen der 15 - 35jährigen. Ihre Weltanschauung bezieht sich nicht mehr nur auf die Religion, sondern auch auf die Wissenschaft, Pädagogik, Medizin und Heilwesen, Kultur, Industrie und die Politik.
Berlin und Brandenburg sind seit langem schon die Hochburgen deutscher Sekten. Vor allem Berlin ist als Zentrum von Jugendreligionen bekannt. Auch tummeln sich dort viele Psychosekten, die einen großen Anhang gefunden haben.

Satanismus

Was ist Satanismus?

Unter dem Begriff Satanismus werden sehr oft verschiedene Kulte zusammengefaßt. Die verschiedenen Satanskulte werden wie folgt zusammengefaßt:

Sektenmitglieder in Deutschland